Visit 04 · Angefragt · Medizintechnik

Softletics, je stärker der Zug, desto fester der Halt

Eine Armprothese besteht aus zwei Teilen: der Hand oder dem Haken vorne, und dem Schaft, der das Ganze am Körper hält. Softletics baut den Schaft, aus Textil und 3D-gedruckten Teilen, und er zieht sich selbst fest, wenn Last darauf kommt. Das Startup kommt aus der ETH Zürich. Wir haben es für einen Visit angefragt und wollen den Schaft in die Hand nehmen.

Softletics · Zürich · ETH-Startup im UPortunity-Accelerator · softletics.ch

Wann
Steht noch nicht fest
Wo
Zürich, Ort steht noch nicht fest
Wer
Angefragt bei Cara Ammann, Mitgründerin
Dauer
Rund 90 Minuten

Bescheid bekommen Alle Visits

Der Softletics-Schaft von der Seite: rechts das breite geflochtene Ende, das den Arm umfasst, in der Mitte die Verstellplatte, links der dunkelblaue Haken
Der ganze Schaft von der Seite: rechts das geflochtene Ende, das sich um den Arm schliesst, in der Mitte die Platte zum Verstellen, links der Haken. So zeigt Softletics den Schaft auf softletics.ch. Fotos vom Besuch folgen danach, im Bericht. Bild: Softletics
Das Problem

Warum ein starrer Schaft nicht dauerhaft passt

Eine Prothese muss fest sitzen, sonst rutscht sie genau dann weg, wenn man sie braucht. Fest sitzt sie durch den Schaft, das Teil, das sich um den restlichen Arm schliesst. Die meisten Schäfte sind harte Schalen. Eine Fachperson misst den Arm einmal aus und baut die Schale passend dazu.

Das Problem ist, dass ein Arm nicht gleich gross bleibt. Sein Volumen ändert sich über den Tag, vor allem durch Wasser im Gewebe. Morgens passt die Schale, mittags drückt sie, abends sitzt sie locker. Dazu lässt eine harte Schale keine Luft durch, darunter wird es also schwitzig. Nach Angaben von Softletics ist genau das der Grund, warum Leute ihre Prothese weniger tragen, als sie könnten.

Softletics baut den Schaft anders: aus geflochtenem Textil und 3D-gedruckten Teilen statt aus einer harten Schale. Er ist leicht, Luft kommt durch, und er passt sich selbst an. Träger können die Passform ausserdem selbst verändern, ohne zu einer Fachperson zu gehen, und einzelne Teile tauschen statt des ganzen Schafts. Was die Firma vorhat, steht auf softletics.ch in drei Worten: Prothesen, einfach gemacht.

Blick in den offenen Schaft hinein: die Innenseite ist mit weichem Stoff ausgelegt, dazwischen liegen schräge Lamellen mit Schlitzen
Von vorn in den Schaft hinein. Der weiche Stoff liegt am Arm, die schrägen Lamellen dahinter sind das, was sich zusammenzieht. Bild: Softletics
Das Prinzip

Das Fingerfallen-Prinzip

Eine Fingerfalle ist ein geflochtenes Röhrchen, vielleicht kennt man den Trick von einem Kindergeburtstag. Man steckt in jedes Ende einen Zeigefinger und zieht. Das Röhrchen wird enger statt loszulassen, und je stärker man zieht, desto fester hält es. Ziehen ist genau das, was einen nicht herausbringt.

Der Softletics-Schaft ist genauso geflochten. Zieht Last an der Prothese, zieht sich das Geflecht um den Arm zusammen. Der Schaft hält also am stärksten in dem Moment, in dem der Halt gebraucht wird, und sitzt locker, wenn nichts zieht. Dabei wird nichts gepumpt und nichts eingeschaltet, es gibt keinen Motor und keine Batterie. Das Geflecht macht es.

Am meisten zählt das beim Sport, weil dort am stärksten gezogen wird.

Nahaufnahme des Mechanismus: die geflochtenen Bänder laufen schräg übereinander, darunter eine Gewindestange zwischen zwei blauen Streben
Von nahe: Die Bänder laufen schräg übereinander, genau so wie in einer Fingerfalle. Bild: Softletics
Herkunft

Von der Masterarbeit zur Firma

Eine Sportlerin, der ein Teil ihres Arms fehlt, hat nach etwas gefragt, das sicher hält, wenn Zug darauf kommt. Cara Ammann hat diese Frage in ihre Masterarbeit an der ETH Zürich mitgenommen und zusammen mit Lisa-Marie Frühauf daran gearbeitet. Aus der Masterarbeit ist Softletics geworden.

2025 haben die beiden mit dem Projekt den James Dyson Award in der Schweiz gewonnen und sind danach in die weltweite Top 20 dieses Preises gekommen, bewertet von James Dyson selbst. Im selben Jahr hat Softletics den Gründerpreis der Sparkasse zu Lübeck gewonnen. Das Startup gehört zu UPortunity, dem Accelerator der ETH Zürich zusammen mit der UBS, einem Programm, das jungen Firmen beim Anfangen hilft.

Mit Cara Ammann haben wir zuerst am ETH UPortunity Demo Day am 30. Juni 2026 gesprochen. Aus diesem Gespräch ist unsere Anfrage entstanden.

Ein Unterarm, darauf ein gebauter Schaft aus schwarzem geflochtenem Textil mit zwei Klettbändern, daran über zwei dunkelblauen Streben ein blauer 3D-gedruckter Haken
Keine Zeichnung: ein gebauter Schaft an einem Arm, mit dem 3D-gedruckten Haken. Dieses Foto zeigt Softletics auf der Seite des ETH-Accelerators. Bild: Softletics
Zwei Personen vor hellem Hintergrund, beide mit Brille, lachen in die Kamera
Mukhtar Vavanan und Cara Ammann (von links), so zeigt Softletics sich auf der Seite des ETH-Accelerators. Bild: Softletics
Nächste Schritte

Produktion, Feldtests, CE-Zertifizierung

Softletics nennt drei nächste Schritte: mehr Schäfte herstellen, als eine Werkstatt schafft, sie mit mehr Trägern im Alltag testen, und die CE-Zertifizierung bekommen. CE ist die Zulassung, die ein Medizinprodukt in Europa braucht, bevor es jemand verkaufen darf. Dafür muss eine Firma nachweisen, dass das Produkt tut, was es verspricht, und niemandem schadet, und das dauert Jahre.

Softletics richtet den Schaft an Träger in reichen und in armen Ländern gleichzeitig. Eine harte Schale muss eine Fachperson ausmessen und bauen. Ein geflochtener Schaft, den man selbst einstellt, funktioniert auch dort, wo keine Fachperson in der Nähe ist.

Nahaufnahme der Verstellplatte: eine flache blaue Platte mit einer beigen Schnur, die in einer Acht darüber verläuft, dahinter das Geflecht und zwei Klettbänder
Über diese Platte stellt der Träger den Schaft ein. Ohne Werkzeug, ohne Fachperson. Bild: Softletics
Die Auswahl

Warum wir Softletics besuchen wollen

Der erste Grund ist, dass man das hier anfassen kann. Bei Tethys Robotics lag der Tauchroboter vor uns auf dem Tisch, und wir durften ihn anfassen. Ein Schaft ist kleiner als ein Roboter, und er arbeitet mit einem Prinzip, das man mit zwei eigenen Fingern ausprobieren kann.

Der zweite Grund ist der Anfang. Eine Masterarbeit ist eine Schularbeit, eine grosse, aber immer noch etwas, das ein Student abgibt. Hier ist daraus eine Firma geworden, mit Preisen und einem Produkt auf dem Weg zur Zulassung. Wir wollen wissen, welcher Schritt aus der Arbeit die Firma gemacht hat.

Der dritte Grund ist Medizintechnik. Bei StartupVisit gab es bisher Tauchroboter und Lernspiele. Ein Medizinprodukt folgt anderen Regeln: Es kommt an einen Menschen, also muss es vorher jemand zulassen.

Der Ablauf

90 Minuten, vier Teile

Das ist unser Plan, keine Abmachung. Was wir sehen und anfassen dürfen, entscheidet Softletics.

  1. Gründer-Story

    Wie aus der Anfrage einer Sportlerin eine Masterarbeit und dann eine Firma wurde, und was daran schwierig war. Keine Verkaufspräsentation.

  2. Der Schaft

    Daran ziehen und spüren, wie sich das Geflecht zusammenzieht. Das ist die ganze Erfindung in einer Bewegung.

  3. Herstellung

    Welche Teile aus dem 3D-Drucker kommen, welche genäht werden, und wie man von einem handgemachten Schaft zu vielen kommt.

  4. Fragen

    Was die CE-Zertifizierung verlangt. Ob Träger es schon getestet haben und was sie gesagt haben. Und alles andere, was wir wissen wollen.

Danach entsteht ein Bericht mit Fotos, den Softletics frei verwenden darf.

Für Eltern

Kosten, Aufsicht, Anreise

  • Der Besuch ist kostenlos und dauert rund 90 Minuten.
  • Eine kleine Gruppe Schüler, begleitet von einem Erwachsenen (in der Regel Louis' Vater). Eltern dürfen gerne mitkommen.
  • Termin, Uhrzeit und Treffpunkt stehen noch nicht fest. Alles kommt per Mail, sobald es geregelt ist.
  • Jeder reist selbst an, wie bei jedem Visit.
  • Bei jedem Visit entstehen Fotos. Das Häkchen dazu gehört zur Anmeldung, bei unter 18-Jährigen zusammen mit den Eltern. Widersprechen kann man trotzdem jederzeit.
  • Bei allen unter 18 informieren wir vorher die Eltern, deshalb fragt die Anmeldung nach der E-Mail eines Elternteils.

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An Softletics

Was ein Visit bedeutet

Ein Visit heisst: eine kleine Gruppe Schüler, 90 Minuten, ein Mal. Wir kommen zu euch, wir fragen, wir hören zu, und danach schreiben wir einen Bericht mit Fotos, den ihr frei verwenden dürft. Vorbereiten muss man nichts, und es kostet nichts. Wie unser erster Visit aussah, steht im Bericht über Tethys Robotics. Euren Schaft haben wir uns auf softletics.ch angeschaut.

Für Startups Ersten Bericht lesen