Softletics, je stärker der Zug, desto fester der Halt
Eine Armprothese besteht aus zwei Teilen: der Hand oder dem Haken vorne, und dem Schaft, der das Ganze am Körper hält. Softletics baut den Schaft, aus Textil und 3D-gedruckten Teilen, und er zieht sich selbst fest, wenn Last darauf kommt. Das Startup kommt aus der ETH Zürich. Wir haben es für einen Visit angefragt und wollen den Schaft in die Hand nehmen.
- Wann
- Steht noch nicht fest
- Wo
- Zürich, Ort steht noch nicht fest
- Wer
- Angefragt bei Cara Ammann, Mitgründerin
- Dauer
- Rund 90 Minuten
Warum ein starrer Schaft nicht dauerhaft passt
Eine Prothese muss fest sitzen, sonst rutscht sie genau dann weg, wenn man sie braucht. Fest sitzt sie durch den Schaft, das Teil, das sich um den restlichen Arm schliesst. Die meisten Schäfte sind harte Schalen. Eine Fachperson misst den Arm einmal aus und baut die Schale passend dazu.
Das Problem ist, dass ein Arm nicht gleich gross bleibt. Sein Volumen ändert sich über den Tag, vor allem durch Wasser im Gewebe. Morgens passt die Schale, mittags drückt sie, abends sitzt sie locker. Dazu lässt eine harte Schale keine Luft durch, darunter wird es also schwitzig. Nach Angaben von Softletics ist genau das der Grund, warum Leute ihre Prothese weniger tragen, als sie könnten.
Softletics baut den Schaft anders: aus geflochtenem Textil und 3D-gedruckten Teilen statt aus einer harten Schale. Er ist leicht, Luft kommt durch, und er passt sich selbst an. Träger können die Passform ausserdem selbst verändern, ohne zu einer Fachperson zu gehen, und einzelne Teile tauschen statt des ganzen Schafts. Was die Firma vorhat, steht auf softletics.ch in drei Worten: Prothesen, einfach gemacht.
Das Fingerfallen-Prinzip
Eine Fingerfalle ist ein geflochtenes Röhrchen, vielleicht kennt man den Trick von einem Kindergeburtstag. Man steckt in jedes Ende einen Zeigefinger und zieht. Das Röhrchen wird enger statt loszulassen, und je stärker man zieht, desto fester hält es. Ziehen ist genau das, was einen nicht herausbringt.
Der Softletics-Schaft ist genauso geflochten. Zieht Last an der Prothese, zieht sich das Geflecht um den Arm zusammen. Der Schaft hält also am stärksten in dem Moment, in dem der Halt gebraucht wird, und sitzt locker, wenn nichts zieht. Dabei wird nichts gepumpt und nichts eingeschaltet, es gibt keinen Motor und keine Batterie. Das Geflecht macht es.
Am meisten zählt das beim Sport, weil dort am stärksten gezogen wird.
Von der Masterarbeit zur Firma
Eine Sportlerin, der ein Teil ihres Arms fehlt, hat nach etwas gefragt, das sicher hält, wenn Zug darauf kommt. Cara Ammann hat diese Frage in ihre Masterarbeit an der ETH Zürich mitgenommen und zusammen mit Lisa-Marie Frühauf daran gearbeitet. Aus der Masterarbeit ist Softletics geworden.
2025 haben die beiden mit dem Projekt den James Dyson Award in der Schweiz gewonnen und sind danach in die weltweite Top 20 dieses Preises gekommen, bewertet von James Dyson selbst. Im selben Jahr hat Softletics den Gründerpreis der Sparkasse zu Lübeck gewonnen. Das Startup gehört zu UPortunity, dem Accelerator der ETH Zürich zusammen mit der UBS, einem Programm, das jungen Firmen beim Anfangen hilft.
Mit Cara Ammann haben wir zuerst am ETH UPortunity Demo Day am 30. Juni 2026 gesprochen. Aus diesem Gespräch ist unsere Anfrage entstanden.
Produktion, Feldtests, CE-Zertifizierung
Softletics nennt drei nächste Schritte: mehr Schäfte herstellen, als eine Werkstatt schafft, sie mit mehr Trägern im Alltag testen, und die CE-Zertifizierung bekommen. CE ist die Zulassung, die ein Medizinprodukt in Europa braucht, bevor es jemand verkaufen darf. Dafür muss eine Firma nachweisen, dass das Produkt tut, was es verspricht, und niemandem schadet, und das dauert Jahre.
Softletics richtet den Schaft an Träger in reichen und in armen Ländern gleichzeitig. Eine harte Schale muss eine Fachperson ausmessen und bauen. Ein geflochtener Schaft, den man selbst einstellt, funktioniert auch dort, wo keine Fachperson in der Nähe ist.
Warum wir Softletics besuchen wollen
Der erste Grund ist, dass man das hier anfassen kann. Bei Tethys Robotics lag der Tauchroboter vor uns auf dem Tisch, und wir durften ihn anfassen. Ein Schaft ist kleiner als ein Roboter, und er arbeitet mit einem Prinzip, das man mit zwei eigenen Fingern ausprobieren kann.
Der zweite Grund ist der Anfang. Eine Masterarbeit ist eine Schularbeit, eine grosse, aber immer noch etwas, das ein Student abgibt. Hier ist daraus eine Firma geworden, mit Preisen und einem Produkt auf dem Weg zur Zulassung. Wir wollen wissen, welcher Schritt aus der Arbeit die Firma gemacht hat.
Der dritte Grund ist Medizintechnik. Bei StartupVisit gab es bisher Tauchroboter und Lernspiele. Ein Medizinprodukt folgt anderen Regeln: Es kommt an einen Menschen, also muss es vorher jemand zulassen.
90 Minuten, vier Teile
Das ist unser Plan, keine Abmachung. Was wir sehen und anfassen dürfen, entscheidet Softletics.
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Gründer-Story
Wie aus der Anfrage einer Sportlerin eine Masterarbeit und dann eine Firma wurde, und was daran schwierig war. Keine Verkaufspräsentation.
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Der Schaft
Daran ziehen und spüren, wie sich das Geflecht zusammenzieht. Das ist die ganze Erfindung in einer Bewegung.
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Herstellung
Welche Teile aus dem 3D-Drucker kommen, welche genäht werden, und wie man von einem handgemachten Schaft zu vielen kommt.
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Fragen
Was die CE-Zertifizierung verlangt. Ob Träger es schon getestet haben und was sie gesagt haben. Und alles andere, was wir wissen wollen.
Kosten, Aufsicht, Anreise
- Der Besuch ist kostenlos und dauert rund 90 Minuten.
- Eine kleine Gruppe Schüler, begleitet von einem Erwachsenen (in der Regel Louis' Vater). Eltern dürfen gerne mitkommen.
- Termin, Uhrzeit und Treffpunkt stehen noch nicht fest. Alles kommt per Mail, sobald es geregelt ist.
- Jeder reist selbst an, wie bei jedem Visit.
- Bei jedem Visit entstehen Fotos. Das Häkchen dazu gehört zur Anmeldung, bei unter 18-Jährigen zusammen mit den Eltern. Widersprechen kann man trotzdem jederzeit.
- Bei allen unter 18 informieren wir vorher die Eltern, deshalb fragt die Anmeldung nach der E-Mail eines Elternteils.
Den Termin per Mail bekommen
Der Newsletter geht in demselben Moment raus, in dem der Termin steht und die Anmeldung öffnet. Zehn Plätze, kostenlos, der Reihe nach, deshalb zählt dieser Vorsprung. Ein paar Mails im Jahr, abbestellen jederzeit.
Was ein Visit bedeutet
Ein Visit heisst: eine kleine Gruppe Schüler, 90 Minuten, ein Mal. Wir kommen zu euch, wir fragen, wir hören zu, und danach schreiben wir einen Bericht mit Fotos, den ihr frei verwenden dürft. Vorbereiten muss man nichts, und es kostet nichts. Wie unser erster Visit aussah, steht im Bericht über Tethys Robotics. Euren Schaft haben wir uns auf softletics.ch angeschaut.