cellvie verpflanzt die Kraftwerke der Zelle
In jeder Zelle stecken Mitochondrien. Im Biologiebuch heissen sie die Kraftwerke der Zelle. cellvie holt sie aus gesundem Gewebe heraus und überträgt sie in Zellen, deren eigene Kraftwerke ausgefallen sind. Die Firma sitzt im Technopark in Zürich. Wir haben sie für einen Visit angefragt und wollen uns das Labor zeigen lassen.
- Wann
- Steht noch nicht fest
- Wo
- Zürich, Ort steht noch nicht fest
- Wer
- Steht noch nicht fest
- Dauer
- Rund 90 Minuten
Harvard-Spin-off mit Labor in Zürich
cellvie ist 2018 in den USA gegründet worden, als Spin-off der Harvard Medical School. Vier Ärzte und Forscher haben die Firma gestartet: James McCully, Alexander Schueller, Pedro del Nido und Sitaram Emani. Schueller führt sie als CEO. Seit Februar 2023 sitzt der Hauptsitz im Technopark Zürich, mit über 100 Quadratmetern Labor.
2021 hat Alexander Schueller den Förderpreis der W. A. de Vigier Stiftung gewonnen, den ältesten Schweizer Preis für Jungunternehmer. Im September 2025 hat cellvie fünf Millionen Dollar von Investoren bekommen, darunter Taiho Ventures, Kizoo Technology Capital und Beiersdorf Venture Capital. Rund 13 Leute arbeiten dort.
Ein Teil der Arbeit läuft zusammen mit dem CSEM, einem schweizerischen Forschungszentrum für Technik. Die beiden haben den Schritt automatisiert, in dem die Mitochondrien aus dem Gewebe herausgelöst werden. Vorher musste das jemand von Hand machen. Eine Maschine macht es jedes Mal gleich, und das ist eine Bedingung dafür, das Verfahren bei Patienten einzusetzen.
Therapeutic Mitochondria Transplantation
Mitochondrien sind kleine Teile im Inneren einer Zelle. Sie stellen den grössten Teil der Energie her, die die Zelle braucht, in Form von ATP, dem Molekül, von dem Zellen leben. Kommt zu wenig ATP heraus, arbeiten Muskeln, Nerven und Gehirn nicht mehr richtig.
Zellen gehen kaputt, wenn Blut eine Weile nicht fliesst und dann wieder anfängt zu fliessen. Ärzte nennen das Ischämie-Reperfusions-Schaden. Das passiert bei einem Herzinfarkt, bei einem Schlaganfall und bei jeder Organverpflanzung, weil das Organ zwischen Spender und Empfänger Stunden ohne Blut verbringt. Nach Angaben von cellvie ist es die häufigste Todesursache weltweit.
Das Verfahren heisst Therapeutic Mitochondria Transplantation. Aus gesundem Muskelgewebe, vom Patienten selbst, werden Mitochondrien herausgelöst und in das verletzte Organ gegeben. Die Zellen dort nehmen sie von allein auf. cellvie vergleicht das mit Starthilfe beim Auto: Die Zelle kommt wieder in Gang und läuft dann selbst weiter.
Die erste Anwendung ist bei der Nierentransplantation geplant. Nach Angaben von cellvie sterben jeden Tag zwölf Menschen, während sie auf eine Niere warten, und bei bis zu der Hälfte der Empfänger arbeitet die neue Niere zuerst nicht richtig. Genau das sollen die übertragenen Mitochondrien verhindern.
An einer zweiten Anwendung arbeitet cellvie, und sie geht umgekehrt: Das Mitochondrium ist nicht die Reparatur, sondern der Lieferwagen. Zellen lassen Mitochondrien leicht herein, also kann man etwas hineinpacken und damit ins Innere gelangen. Die Krankheit, die cellvie dafür ausgesucht hat, heisst Epidermolysis bullosa. Haut hält zusammen, weil ein Eiweiss namens Kollagen VII ihre Schichten aneinander verankert. Ist das Gen dafür fehlerhaft, fehlt dieser Anker, und die kleinste Berührung reisst die Haut auf. Die meisten Betroffenen sind Kinder. cellvie entwickelt ein Mittel zum Auftragen auf die Haut, das die fehlende Anweisung zurück in die Zellen bringen soll.
Einsatz am Boston Children's Hospital
Zwei der cellvie-Gründer arbeiten am Boston Children's Hospital in den USA. James McCully hat die Forschung gemacht, auf der das Verfahren aufbaut. Sitaram Emani operiert dort als Herzchirurg und setzt es bei Kindern ein, deren Herz nach einer Operation nicht genug pumpt. Diese Kinder hängen an einer ECMO, einer Maschine, die das Blut aus dem Körper holt, mit Sauerstoff versorgt und zurückpumpt.
Nach Angaben des Spitals sind bisher 16 Kinder so behandelt worden. 80 Prozent von ihnen konnten danach von der Maschine genommen werden. Ohne die Behandlung sind es rund 40 Prozent. Emani sagt, überraschend sei gewesen, wie wenig es dafür braucht: Schon sehr kleine Mengen Mitochondrien haben gereicht, damit sich der Herzmuskel erholt.
Das sind Zahlen aus einem Pilotprogramm an einem Spital, nicht von einem zugelassenen Medikament. Genau an diesem Schritt arbeitet cellvie: aus einem Verfahren, das in einzelnen Operationssälen funktioniert, eine Behandlung zu machen, die man herstellen, prüfen und zulassen kann.
Warum wir cellvie besuchen wollen
Der erste Grund ist der Biologieunterricht. Wir lernen dort, dass Mitochondrien die Kraftwerke der Zelle sind, wir zeichnen sie, und wir schreiben es in eine Prüfung. Dass man sie aus einem Gewebe herausholen und in ein anderes hineingeben kann, steht in keinem Schulbuch.
Der zweite Grund ist, dass Biotechnologie bei StartupVisit bisher nicht dabei war. Tethys Robotics baut Tauchroboter, Mano Games baut Spiele. Beides kann man arbeiten sehen. Ein Medikament nicht, und dadurch sind die Fragen andere: Wie lange dauert es, wer prüft es, was passiert, wenn es nicht funktioniert.
Der dritte Grund ist das Labor. cellvie hat über 100 Quadratmeter davon im Technopark. Dort stehen Maschinen, die jede genau einen Schritt machen, und wir wollen wissen, welche Maschine welchen.
90 Minuten, vier Teile
Das ist unser Plan, keine Abmachung. Was wir sehen dürfen, entscheidet cellvie, und in einem Labor gilt für jeden Raum eine Regel, wer hinein darf.
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Gründer-Story
Wie aus Forschung in Boston eine Firma in Zürich wurde, und was daran schwierig war. Keine Verkaufspräsentation.
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Das Labor
Wo die Mitochondrien aus dem Gewebe herausgelöst werden, und welche Maschine welchen Schritt macht.
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Vom Labor zum Patienten
Was passieren muss, bevor etwas an einem Menschen probiert werden darf. Wer das prüft, wie lange es dauert, wie viel Zeit die Firma das kostet.
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Fragen
Alles, was wir wissen wollen. Wer mitkommt, bringt eigene Fragen mit, die müssen nicht auf unsere Liste passen.
Kosten, Aufsicht, Anreise
- Der Besuch ist kostenlos und dauert rund 90 Minuten.
- Eine kleine Gruppe Schüler, begleitet von einem Erwachsenen (in der Regel Louis' Vater). Eltern dürfen gerne mitkommen.
- Termin, Uhrzeit und Treffpunkt stehen noch nicht fest. Alles kommt per Mail, sobald es geregelt ist.
- Jeder reist selbst an, wie bei jedem Visit.
- Bei jedem Visit entstehen Fotos. Das Häkchen dazu gehört zur Anmeldung, bei unter 18-Jährigen zusammen mit den Eltern. Widersprechen kann man trotzdem jederzeit.
- Bei allen unter 18 informieren wir vorher die Eltern, deshalb fragt die Anmeldung nach der E-Mail eines Elternteils.
- Das ist eine Firma mit einem Labor. In welche Räume wir dürfen, entscheidet cellvie, und daran halten wir uns.
Den Termin per Mail bekommen
Der Newsletter geht in demselben Moment raus, in dem der Termin steht und die Anmeldung öffnet. Zehn Plätze, kostenlos, der Reihe nach, deshalb zählt dieser Vorsprung. Ein paar Mails im Jahr, abbestellen jederzeit.
Was ein Visit bedeutet
Ein Visit heisst: eine kleine Gruppe Schüler, 90 Minuten, ein Mal. Wir kommen zu euch, wir fragen, wir hören zu, und danach schreiben wir einen Bericht mit Fotos, den ihr frei verwenden dürft. Vorbereiten muss man nichts, und es kostet nichts. Wie unser erster Visit aussah, steht im Bericht über Tethys Robotics. Woran cellvie arbeitet, steht auf cellvie.bio.